Aufbau

Für die zentrale Verwaltung und das Management des DFN-GVS-Dienstes dient die CSF (Central Server Facility), welche aus drei Dell 530 Servern besteht und Gateway (CSF1), Storage (CSF2) und Orchestration (CSF0) Aufgaben übernimmt. Verwaltet werden hierbei die sogenannten GVS-PoPs (Point of Presence), welche die eigentlichen Ressourcen der individuellen Benutzertestbeds beinhalten. Für die GVS-Domain wird eine Central Server Facility und beliebig viele GTS-PoPs benötigt. Zunächst ist für den Standort Erlangen eine CSF sowie ein PoP vorgesehen.

Neben den eigentlichen Compute-Ressourcen, welche durch VMs und BMSs bereitgestellt werden, können die Testumgebungen ebenfalls mit Routing/Switching-Komponenten und Datentransport-Ressourcen ergänzt werden um vollständige und unabhängige virtuelle Netze abzubilden. Eine Beeinflussung durch andere Benutzer oder die Störung anderer Testbeds ist nicht zu befürchten. Besonders hervorzuheben ist, dass anteilig physikalische Insfrastruktur verwendet wird und keine Simulation stattfindet.

Durch die Multi-Domain-Fähigkeiten des Services sind im Bedarfsfall ebenfalls Ressourcen außerhalb des Standortes Erlangen erreichbar, welche Teil der GÉANT Netzdomain sind.

Um ein Testbed in GVS aufzubauen, beschreibt ein Benutzer zunächst, wie das Testbed genau aussehen und welche Ressourcen es enthalten soll. Dies geschieht mit Hilfe eines Dokumentes, welches über ein Web-Interface hochgeladen werden kann. Dort nimmt ein Ressourcen-Manager das Dokument in Empfang, prüft es auf Syntax und Verfügbarkeit bezüglich der geforderten Ressourcen und stellt dann dem Benutzer im Falle einer positiven Bewertung des Dokumentes die Ressourcen-Kennungen der Testbed-Komponenten zur Verfügung, sodass der Benutzer diese Ressourcen kontrollieren kann und in seinem Testbed damit arbeiten kann. Das oben genannte Dokument für die Beschreibung eines Testbeds enthält Domain Specific Language (DSL) Code, der auf Groovy (einer Objekt-orientierten Sprache für die Java-Plattform) basiert. Für fortgeschrittene Benutzer hat dies den Vorteil, dass mit Schleifenbildung schnell und unkompliziert sehr komplexe und große Netze konstruiert werden können. Um den Einstieg zu erleichtern, steht auch ein „Drag&Drop“ basiertes, graphisches User Interface (GUI) zur Verfügung in dem durch Anklicken auf und Ziehen von Icons Testbeds entworfen und Ressourcen verbunden werden können. Der DSL Code wird dabei automatisch im Hintergrund generiert.

Derzeit können in GVS virtuelle Maschinen (VMs), virtuelle Links (VCs) und OpenFlow Instanzen als Netzressourcen im Testbed reserviert, aktiviert, deaktiviert und wieder frei gegeben werden. Die Architektur von GVS ist aber skalierbar und kann jederzeit mit neuen Ressourcen erweitert werden. Dazu ist es nur notwendig, fünf Kontrollmodule für die neue Ressource zu entwickeln, d. h. die neue Ressource muss wie oben beschrieben (1) reserviert, (2) aktiviert, (3) deaktiviert und (4) freigegeben werden können; des Weiteren muss eine (5) Statusabfrage möglich sein. Dadurch sind beliebige Arten von Ressourcen integrierbar, denkbar wären z. B. auch Ressourcen wie öffentliche IP-Adressen, Zeitstempel oder LTE-Komponenten, usw. Außer den bereits angebotenen Ressourcen werden in Kürze auch Hardware/Bare Metal Servers (BMS) im GVS zur Verfügung stehen.